„Wenn du in Eile bist, gehe langsam“ – ein berühmter Satz, der mittlerweile zum Kalenderspruch avanciert ist, aber von Menschen, die wirklich in Eile sind, selten befolgt wird!

Die Steigerung jeglicher Art von Geschwindigkeit – sei es im Transportwesen, beim Reisen, in der Produktion oder vor allem bei der Datenübertragung – gehört zu den beeindruckendsten Innovationen des 20. und 21. Jahrhunderts. Wir können heute sowohl hier als auch zeitgleich in China sein: Wir kommunizieren, observieren, steuern und beeinflussen weltweit. Der Raum hat seine ursprüngliche Bedeutung verloren – und mit ihm die Verzögerung und die Dauer: Keine Zeit verlieren (pas perdre de temps), denn es gibt scheinbar nichts zu verlieren.

Noch in den 1950er-Jahren dauerte eine Reise von Paris nach New York per Flugzeug 14 - 18 Stunden, von Paris nach Saigon (heute: Ho Chi Minh-Stadt) locker zwei bis drei Tage. In den 1950ern war die „Echtzeit-Kommunikation“, die wir heute als selbstverständlich erachten, noch eine logistische Meisterleistung. Wenn ein Pariser Manager in New York anrufen wollte, hiess das oft: „Warten auf ein freies Zeitfenster in der Atmosphäre.“

Schnelligkeit eröffnet Opportunitäten. Schnelligkeit ist aber nicht per se auch Qualität! Die Beschleunigung aller Abläufe im wirtschaftlichen und privaten Leben vernichtet die Dauer. Wir machen Vieles, aber machen wir diese Dinge auch richtig und mit Überlegung? Treffen Führungskräfte, die sich nur wenige Minuten mit einer Sache beschäftigen können, die richtigen Entscheidungen? Und ganz grundlegend: Erleben wir noch etwas von der Welt, wenn wir in hoher virtueller Geschwindigkeit überall sind - aber eigentlich nirgendwo?

Food for thought für die kommenden langen Wochenenden - und vielleicht etwas Lust auf mehr Musse und kreatives Trödeln!