Der letzte Arbeitstag ist ein Einschnitt. Auch wer es wünscht und herbeisehnt – die Welt wird nie mehr sein, wie sie war.

Wer klug ist, hat vorbereitet: Finanziell optimiert, die neue Tagesstruktur mit Partner und Partnerin besprochen, sich ein Hobby aufgebaut.

Und trotzdem bleiben zwei Herausforderungen

Wer bin ich ohne Firma und Titel?

Auch wer auf Hierarchie pfeift, wird bald merken, dass in der Gesellschaft ein Etikett nützlich ist. Immer noch erhält man Einladungen zu Events und Veranstaltungen, ich melde mich an (online, wie sich das gehört), aber was zum Teufel schreibe ich nun bei der Anmeldung in die Rubrik «Firma/Organisation»?? Wenn ich Pech habe, muss das Feld ausgefüllt werden, um das Formular absenden zu können... Passt «pensioniert» ...? Eher nicht – wer will schon ein Namensschild auf dem Revers haben mit dem Vermerk «pensioniert».

Herausforderung 1: Definiere wer du sein willst im neuen Leben, ohne Unternehmen und Hierarchie!

Was mache ich mit dem Rest meines Lebens?

Die Pensionierung fühlt sich erst an wie ein sehr langer Urlaub. Und diesen Urlaub geniesst man in vollen Zügen: kein Stress am Morgen, spontane Spaziergänge und Exkursionen, neue Lektüre in Musse lesen, und vieles mehr. Man lebt zufrieden vor sich hin und stellt fest: Die Zeit vergeht schnell und schneller! Immer wieder mal Geburtstag, und Jahresende – und ein neues Jahr. Was bleibt mir noch? War’s das jetzt?

Herausforderung 2: Überlege gut welchen Sinn und Inhalt du deinem Leben noch geben willst!

Die Beschäftigung mit diesen Themen ist anstrengend und kann auch schmerzlich sein. Ein Austausch mit Menschen, die am gleichen Punkt in ihrer Biografie stehen – oder schon etwas weiter sind – kann hilfreich sein. Sicher nicht hilfreich ist, die Fragen zu verdrängen und zu verstecken. Man vergibt sich damit auch die Chance, sich neu zu erfinden, denn es sind nicht die Jahre des Lebens, die zählen sondern das Leben in den Jahren.

Werner Inderbitzin